Auf einen Blick

Suche

Eure Rede sei allezeit wohlklingend und mit Salz gewürzt. Kolosserbrief 4, 6 - Monatsspruch Mai

„Allezeit wohlklingend“ – das kann man heute von dem meisten Reden, den großen und den kleinen nicht unbedingt sagen.

In öffentlichen Reden oder in der Politik geht es schon ganz schön zur Sache. Und wenn ein Kandidat den anderen angreift, bloßstellt und klein macht, dann wird noch gelobt: nun sei doch endlich der Wahlkampf in vollem Gange. Wir werden es in den kommenden Monaten sicher wieder so erleben - leider.

In der Regel wird ein anderer eher niedergemacht als aufgebaut. Entweder öffentlich oder hinter vorgehaltener Hand. Das ist ja auch so ungemein praktisch, wenn ich den anderen mit Dreck bewerfe, fällt meine eigene dreckige Weste nicht auf.

Das war wohl früher auch schon so, sonst würde der Satz hier nicht in einem der Briefe im Neuen Testament stehen.

Macht es auch nicht besser, sondern zeigt nur deutlich: zu allen Zeiten bestärkte man sich selbst, in dem man andere schwächte.

Da werden die Worte nicht mit Salz gewürzt, sondern es wird rumgeätzt und gehetzt.

Jesu Worte waren da anders. Er fand immer klare und vor allem deutliche Worte. Er verurteilte die Tat, aber nicht den Täter. Seine Worte bauten auf, gaben Kraft, zeigten eine neue Richtung.

Man kann andere auf einen Fehler hinweisen, ohne zugleich auch noch sich selbst auf eine angeblich fehlerfreie Schulter zu klopfen.

Das ist schwer. Da muss man vielleicht erstmal 3 bis 4 mal Luft holen, bevor man etwas sagt.

Vielleicht ist es manchmal auch besser, die Zunge im Zaum zu halten, sich vor Besserwisserei zu hüten, in der Erkenntnis, dass mir der Fehler hätte auch passieren können.

Ich bin nicht besser, nur weil ich mal richtig liege.

Morgen könnte ich diejenige sein, die nach einem Fehler auf freundliche Worte hofft.

Ihre Pastorin Doris Spinger