Auf einen Blick

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Jesus Christus spricht: ...Ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich aufgenommen. (Matthäus 25, 35)

Diese Worte hängen als großes Transparent über dem Eingang unseres Gemeindehauses. Als ich mir vor über 20 Jahren diese Gemeinde an einem Sonntag anschaute, hat mich dieses Plakat sehr beeindruckt.

Ja, es war neben dem erlebten Gottesdienst auch ein Grund mich für diese Stelle zu entscheiden.

Inzwischen gehe ich tagtäglich unter dem Plakat ins Gmeindehaus ein und aus. Ich nehme es meistens kaum bewußt wahr.

Zaghafte Überlegungen alle paar Jahre, ob wir das Plakat abnehmen wollen und gegen einen anderen Spruch austauschen wollen, schließlich gibt es viele gute Worte in der Bibel, haben wir immer wieder abgelehnt.

Es könnte ja dann so aussehen, als stehen wir nicht mehr zu dem Wort Jesu. Wer so ein Bekenntnis an sein Haus hängt, der muss sich messen lassen, wie er damit umgeht.

Es gibt immer wieder kritische Stimmen, die sagen, wir tun als Gemeinde zu wenig. Nur ein Plakat mit einem markanten Bibelspruch aufhängen ist zu wenig. Wir sollten uns in der Flüchtlingshilfe engagieren, deutliche Zeichen setzen, Gruppen einrichten, Menschen hier aufnehmen.

Andere vertreten wieder eine ganz andere Meinung. Fremde fallen hier bei uns auf dem Dorf schnell auf. Wen man nicht kennt, den kann man nicht einschätzen und schon macht sich die Angst breit.

Kann man dem trauen? Was macht der hier? Wohin gehört er? Was will er?

Wir sind immer aufmerksam, wenn „Fremde“ auf dem Gelände des Gemeindehauses auftauchen und sich umschauen. Aber meistens suchen sie einfach die Kita oder die ISB. Ein kurzes Gespräch schafft Klarheit und man ist sich nicht mehr ganz so fremd. Für den anderen bin ich übrigens auch fremd. Woher soll er wissen, ob er mir trauen kann. Er kennt mich ja nicht.

Das Wort aus dem Matthäusevangelium fordert uns alle auf, jedem der uns begegnet, egal ob er krank, hungrig, fremd, obdachlos oder im Gefängnis war, freundlich und hilfsbereit zu begegnen. In diesem Menschen begegnet uns Jesus selbst. Wer würde denn Jesus einfach stehen lassen oder gar wegschicken?

Jesu Worte sind manchmal ganz schön anstrengend, weil sie mir immer wieder deutlich machen: Es gibt nicht nur mich und meine Welt, sondern auch andere und die brauchen unter Umständen meine Hilfe.

Das Plakat bleibt über unserem Eingang, ebenso wie unser ständiger Versuch, die Worte auch umzusetzen.

Ihre

Pastorin Doris Spinger